Wobbler
Definition
Die Definition des Krankheitsbildes wird teilweise  unterschiedlich gebraucht. Der Name Wobbler-Syndrom leitet sich vom  englischen "to wobble" ab, was "schwanken" oder "wackeln" bedeutet. Damit beschreibt der Begriff Wobbler-Syndrom das typische schwankende,  wackelnde Gangbild. In der Fachsprache wird das Wobbler-Syndrom "Cervicale Spondylomyelopathie" genannt, was soviel wie krankhafte Veränderung der Halswirbelsäule heißt. Männliche Hunde sind häufiger betroffen als weibliche.
Eine deutliche Rassedisposition zeigt sich beim Dobermann und der deutschen Dogge.
Formen
Seim III und Withrow unterscheiden 5 verschiedene Formen des Wobbler-Syndroms:


Angeborene Fehlbildung des Wirbelkörpers

Es kommt zu einer sowohl statischen als auch dynamischen Kompression des Rückenmarks von unten im Bereich zwischen dem dritten und siebten Halswirbel (C3-C7). Die Erkrankung tritt vor allem bei Jungtieren auf. Bislang ist ungeklärt, ob sie genetisch bedingt ist oder durch durch Fehlernährung oder Überlastung entsteht. Die Prognose ist ungünstig


Fehlbildung des Wirbelbogens oder der Gelenkfortsätze mit Hypertrophie des Ligamentum flavum

Sie tritt vor allem bei der Deutschen Dogge zwischen C4 und C7 auf und führt zu einer Kompression von oben oder der Seite. Zur Hypertrophie des Bandes kommt es infolge der gesteigerten Beweglichkeit (Instabilität). Die Kompression ist vor allem statisch. Die Prognose ist gut bis unsicher.


Chronisch-degenerative Bandscheibenerkrankung

Durch eine Bandscheibendegeneration und Hypertrophie des Anulus fibrosus kommt es bei älteren Tieren zu einem Bandscheibenvorfall und damit zu einer Kompression von unten, vor allem Bereich zwischen C5 und C7. Ursache ist eine Überlastung der Bandscheibe durch übermäßige Beweglichkeit der Halswirbelsäule. Die Kompression kann statisch oder dynamisch sein. Die Prognose ist gut.


Vertebral Tipping

Fehlstellung des Wirbelkörpers in Form einer Rotation nach oben, vor allem zwischen C5 und C7. Diese Form kommt vor allem bei älteren Dobermännern vor und wird durch eine fehlende Passgenauigkeit der Gelenkflächen hervorgerufen. Die vordere Gelenkfläche ist im unteren Bereich nach hinten abgeschrägt und passt somit nicht zur hinteren des vorangehenden Wirbels. Die Kompression ist dynamischer Natur, die Prognose ist gut.


Uhrglaskompression

Die Uhrglaskompression ist eine Kombination der vorherigen Bilder und tritt vor allem bei jüngeren Doggen auf. Diese komplexe Fehlbildung führt zu einer Kompression von allen Seiten zwischen C2 und C7 und hat eine ungünstige Prognose.
Ursache
Der Dobermann besitzt auf Grund rassespezifischer Halswirbelsäulenveränderungen eine grundsätzliche Neigung zur Entwicklung des Wobbler-Syndroms.
Hierzu gehören im Vergleich zu anderen Rassen:
  • ungewöhnliche Länge und Beweglichkeit der WirbeIn
  • Abweichungen von der anatomischen Normalform der Halswirbel

Das bevorzugte Erkrankungsalter ist mit 6 - 7 Jahren angegeben.

  • genetischen Veranlagung
  • Überernährung (zu viel an Kalzium während der Phase raschen Wachstums verursacht eine krankhafte Wirbelveränderung)
  • wiederholte Unfälle
  • angeborene Fehlbildungen (Atlanto-axiale Subluxation, Fehlbildungen des Wirbelkörpers oder -bogens)
  • Bandscheibenerkrankungen
  • Neoplasien, Abszesse oder Osteochondrosen können zur Ausbildung des Syndroms führen
  • Schnellwüchsigkeit und Fehlernährung sind begünstigende Faktoren
Symptome
Entsprechend der zahlreichen Ursachen und damit unterschiedlichen Lokalisation ist das klinische Bild sehr variabel. Von Bedeutung ist darüber hinaus, ob die weiße Substanz des Rückenmarks eher im Bereich des Hinterstrangs (sensible Bahnen) oder Ventrolateralstrangs (absteigende motorische Bahnen) auftritt.
  • langsam fortschreitende Gangunsicherheit, die alle Gliedmaße betrifft, aber an den Hinterbeinen früher und gravierender auftritt
  • Problemen beim Aufstehen
  • Lähmungen unterschiedlichen Ausmaßes auf (Para -und Tetraplegie)
  • Manipulation der Halswirbelsäule ist oft schmerzhaft (z.B. Beugung und Streckung)
  • betroffenen Hunde bewegen jedoch den Halsbereich meist nur unwillig von selbst
  • der Kopf wird meist tief getragen
  • Muskelschwund an den Extremitäten
  • Hunde bewegen sich unsicher und die Zehen schleifen
  • die Fähigkeit die Gliedmaßen bei der Bewegung zu koordinieren ist stark eingeschränkt
  • das Laufen im Kreis fällt schwer und Bewegungsrichtungen sind nur mühevoll zu ändern oder mit Hinfallen gekoppelt
  • breitbeiniges Stehen
  • vor allem bei schnellerer Gangart kann die Schrittlänge der Vordergliedmaßen übertrieben vergrößert sein
  • zum Teil erhebliche Schmerzen
Diagnostik
Neurologische Untersuchung

Prüfung der Haltungs- und Stellungsreaktionen (Schubkarrenprobe, Unterstützungsreaktion, Hüpfreaktion, Aufrichtungsreaktion, Tischkantenprobe, Korrekturreaktion)Die Reaktionen sind zumeist herabgesetzt oder verzögert, können aber bei milder Ausprägung auch physiologisch sein.

Die Reflexe der Hintergliedmaße sind infolge des Ausfalls der hemmenden Interneurone des oberen Motoneurons zumeist gesteigert (Hypereflexie), bei einer beginnenden Muskelatrophie kann dies maskiert sein. Typisch ist ein gekreuzter Extensor-Flexor-Reflex. An den Vordergliedmaßen sind die Reflexe bei Schädigung der Halsschwellung (Intumescencia cervicalis) des Rückenmarks vermindert (Hyporeflexie) oder fehlen ganz (Areflexie). In Einzelfällen kann eine Spastizität auftreten, da die Nervenbahnen für die Streckmuskeln weniger betroffen sind als die der Beugemuskeln. Die Körperreflexe (Pannikulusreflex, Vulva- bzw. Bulbourethralreflex und Perianalreflex) sind physiologisch.


Röntgen

Die Röntgendiagnostik ist für die Diagnosestellung unverzichtbar. Da der Patient hier optimal gelagert werden muss, ist sie bei Hunden praktisch nur unter einer Kurznarkose sinnvoll durchführbar. Aufnahmen werden im seitlichen und ventrodorsalen (von der Halsunterseite her) Strahlengang in Normalstellung sowie bei gebeugtem Hals durchgeführt.

Röntgenaufnahmen ohne Kontrastmittel ("Nativaufnahmen") sind meist nur von begrenztem Aussagewert. Allenfalls das "vertebral tipping" Stufenbildungen oder Keilwirbel lassen sich sicher diagnostizieren. Lewis schlug vor, die Größe zwischen Ein- und Ausgang des Wirbelkanals eines Wirbels zu vergleichen. Eine Größendifferenz von mehr als 3 mm spricht bei einem Dobermann für das Vorliegen einer zervikalen Malformation.

Da Nativaufnahmen nur eine geringe diagnostische Sicherheit haben, müssen Röntgenaufnahmen mit Kontrastmittel (Myelografie) folgen, die nur unter Narkose angefertigt werden können. Nach Gabe des Kontrastmittels werden Normal- und Stressaufnahmen (stark gebeugter und überstreckter Hals, Längszug) durchgeführt. Mit der Myelografie lassen sich Verengungen des Wirbelkanals relativ sicher nachweisen


CT und MRT

Eine Computertomographie (CT) kann in unsicheren Fällen die diagnostische Sicherheit erhöhen. Sie wird zumeist im Anschluss an eine Myelografie durchgeführt, um den Untersuchungsbereich einzugrenzen. Hierbei wird ebenfalls mit Kontrastmittelgabe (CT-Myelografie) gearbeitet, eventuelle Veränderungen im Halswirbelbereich lassen sich damit relativ sicher diagnostizieren. Limitierende Faktoren sind die hohen Kosten und die Tatsache, dass Computertomographen meist nur in spezialisierten Tierkliniken verfügbar sind. Zudem können die Hunde im Computertomographen praktisch nicht exakt positioniert werden, ein Halten der Tiere verbietet sich durch die Strahlenbelastung.

Mittels Magnetresonanztomographie (MRT) lassen sich statische Kompressionen gut darstellen. Dynamische Verengungen können bislang nur anhand von sekundären Veränderungen erkannt werden, da die Spulen bislang nicht für die Tiermedizin optimiert sind. Dennoch ist die MRT das sicherste bildgebende Verfahren zur Diagnostik von zervikalen Malformationen. Hauptprobleme sind auch hier die nur geringe Verfügbarkeit und die hohen Kosten.

Die Diagnose ist letztendlich nur von einem Profi zu stellen,  der Verdacht ergibt sich aus der Klinik, dem neurologischen Untersuchungsergebniss und entsprechender spezieller radiologischer Untersuchungen der Halswirbelsäule:
Röntgenaufnahmen, röntgenologische Darstellung des Rückenmarks mit Kontrastmittel (Myelographie),  Computertomographie (CT) oder MRT.
Beim CT oder beim MRT handelt es sich um moderne Schichtaufnahmen mittels Röntgenstrahlen  bzw. beim MRT mittels Magnetwellen. Das MRT, auch Kernspintomographie genannt, stellt die modernste und aussagekräftigste Untersuchungsmethode dar.  Leider ist sie auf Grund der hohen Kosten in der Tiermedizin  bislang nur an großen tiermedizinischen Zentren durchführbar
Therapie
Operative Therapie

Es gibt zwei prinzipielle Operationsmethoden: Dekompression und Stabilisierung der betroffenen Wirbelsegmente, die je nach Fall auch kombiniert werden können. Für die Wahl der richtigen Therapie ist eine exakte Diagnose unabdingbar.

Das Standardverfahren bei Bandscheibenvorfällen ist der sogenannte "ventral". Hierbei wird von der Unterseite des Halses zur Bandscheibe vorgegangen, die Unterseite des Anulus fibrosus der Bandscheibe entfernt, ein Loch in den Wirbelkörper gefräst und das vorgefallene Bandscheibenmaterial entfernt. Bei mehr seitlich und weiter rückenwärts lokalisiertem Bandscheibenvorfall ist die (dorsale) Laminektomie Standardmethode. Hierbei wird der Wirbelbogen (also das Dach des Wirbelkanals) des verengten Bereichs entfernt, so dass das Rückenmark einer Kompression von unten nach oben ausweichen kann. Dieser Eingriff ist deutlich schwieriger und riskanter als der ventral slot, eine eventuelle Verletzung der Wirbelarterie kann zum Verbluten führen.

Stabilisierende Verfahren haben das Ziel, die übermäßige Beweglichkeit der Wirbel zueinander zu beseitigen. Hierzu können die Dornfortsätze (Processus spinosi) mit einer Metallplatte verbunden werden, die Gelenkfortsätze (Processus articulares) miteinander verschraubt oder verdrahtet werden (zumeist mit einem ventral slot kombiniert) oder die Wirbelkörper durch Kortikalisschrauben, eine Platte oder durch Steinmannägel und Polymethylmethacrylat verbunden werden. Das Einsetzen eines autologen (vom gleichen Tier meist aus dem Darmbein entnommenen) Knochentransplantats nach Distraktion der Wirbelsäule kann ebenfalls zur Stabilisierung angewendet werden.


Konservative Therapie

Das Wobbler-Syndrom gilt zwar prinzipiell als chirurgisch zu behandeln. Da aber auch der chirurgische Eingriff mit Risiken verbunden ist, kann bei milden Formen und stabilen Verläufen ohne deutliche Verschlechterung des Zustands eine konservative Therapie ausreichend sein. Sie umfasst eine strikte Ruhigstellung des Hundes (kurze Spaziergänge, Leinenzwang, Unterbinden von Spielen und Sprüngen, Verwendung eines Brustgeschirrs). Bei jungen Hunden ist eine Überprüfung der Futterzusammensetzung (Calcium) sinnvoll. Bei akuten Schmerzen können analgetisch wirkende nichtsteroidale Antiphlogistika eingesetzt werden.
 

Quelle: Wikipedia, www.dobermannschutz.de

 

BACK