Narkolepsie
Definition
Der Begriff Narkolepsie kommt aus dem Griechischen: narke = Erstarrung, Krampf, Lähmung und lepsis = annehmen, empfangen. Oder zusammengefasst: von Schläfrigkeit ergriffen.
Narkolepsie ist eine neurologische Krankheit, die durch Tagesschläfrigkeit mit einem unwiderstehlichen Schlafdrang zu völlig falschen Zeiten gekennzeichnet ist.
Hierbei kommt es zu regelrechten Schlafattacken, Kataplexie (Tonusverlust der Muskulatur) und Schlaflähmung (plötzliche Lähmung der Muskulatur beim Einschlafen/Aufwachen). Dies ähnelt teilweise dem REM-Schlaf.

Die Krankheit kann prinzipiell jede Hunderasse betreffen, kommt jedoch gehäuft beim Dobermann und in geringerem Maß bei Labrador Retrievern vor.
Ursachen
Verursacht wird diese Erkrankung durch eine Mutation in dem Gen für den Hypocretin (Orexin) Rezeptor 2.
Symptome
Die Symptomatik der Narkolepsie wird in vier Bereiche untergliedert, die so genannte narkoleptische Tetrade oder Symptomkomplex. Als weiteres Symptom, meist jedoch der Schlaflähmung zugerechnet, tritt automatisiertes Handeln auf. Konzentrations- und Lernstörungen sind ebenfalls häufig zu beobachten, die aber zwanglos dem Schlafzwang bzw. dem abnormen Rhythmus anzulasten sind.

Die Symptomatik ist individuell sehr verschieden. Selten werden alle Symptome in voller Ausprägung aufgewiesen. In ihrer Ausprägung zwischen den verschiedenen Symptomen unterliegt die Narkolepsie großen individuellen Schwankungen. Meist lassen sich geringfügige Ausprägungen der übrigen Symptome erst bei sehr eingehenden Untersuchungen nachweisen. Schwierig ist es, eine Narkolepsie ohne Kataplexien zu diagnostizieren, da sie nur schwer von anderen Hypersomnien zu unterscheiden ist.



Schlafzwang

Der Schlafzwang besteht zum einen in einer ganztägig erhöhten Schläfrigkeit, die phasenweise unwiderstehlich werden kann. Daneben gibt es auch Fälle von imperativem Schlaf in ganz bestimmten auslösenden Situationen, ähnlich der Auslösung von Kataplexien. Der Hund schläft in solchen Situationen ohne Kontrollmöglichkeit ein, wobei der Schlaf zwischen wenigen Sekunden und mehreren Minuten anhalten kann.



Kataplexie

Unter Kataplexien versteht man vorübergehenden Kontrollverlust über definierte Muskelgruppen bei wachem Bewusstsein, welche je nach individueller Ausprägung am gesamten Körper oder nur lokal auftreten. Beispielsweise fällt der Hund in sich zusammen, lässt den Kopf hängen usw. Im Extremfall bricht der Hund in sich zusammen. Kataplexien werden meist durch starke Emotionen (Freude, Begeisterung, Erregung oder Schreck) ausgelöst.



Abnormer Schlafrhythmus

Der dritte Symptomkreis besteht in einem abnormen Schlafrhythmus (beispielsweise 4 Stunden wach, 4 Stunden Schlaf, usw. tags und nachts), sowie in verschobenen REM-Phasen (Traumschlaf-Phasen), die untypisch dem traumlosen Schlaf vorausgehen. Der Mediziner spricht dann von sleep-onset-REM (SOREM), (vorzeitiger Traum-Schlaf). Dadurch können beim Einschlafen Wach- und Traumvorstellungen vermischt werden und zu sog. hypnagogen (dem Schlaf vorausgehenden) Halluzinationen führen.



Schlaflähmung /Schlafparalyse

Der vierte Symptomkreis besteht aus Schlaflähmungen. Beim Schlafbeginn oder beim Aufwachen tritt plötzlich eine Lähmung der Körpermuskulatur ein. Man spricht von Schlafparalyse (Schlaflähmung). Der Hund nimmt seine Umgebung wahr, kann sich jedoch nicht bewegen. Anders als bei Kataplexien können Schlafparalysen durch Berühren des Körpers unterbrochen werden.

Beim Aufwachen unterliegt die Muskulatur des Hundes der schlaftypischen Kontrolllosigkeit, obwohl der Hund eigentlich nicht schläft (ähnlich wie bei der Kataplexie, nur eben durch Müdigkeit und Schlaf, statt durch Emotionen ausgelöst). Willentliches Aufstehen ist dadurch für die Dauer der Schlaflähmung nicht möglich.



Automatisiertes Verhalten

Beim automatisierten Verhalten werden Tätigkeiten nur motorisch ausgeführt, also ohne bewusste Steuerung. Der Narkoleptiker schläft mitten in einer Handlung ein und führt sie im Schlaf fort. Dabei besteht erhöhte Verletzungsgefahr.
Gentest
Narkolepsie beim Dobermann - die Vererbung
Die Narkolepsie beim Dobermann wird autosomal-rezessiv vererbt. Das bedeutet, daß ein Hund nur erkrankt, wenn er je ein betroffenes Gen von Vater und Mutter erhalten hat. Es müssen also sowohl Vater- als auch Muttertier das kranke Gen tragen.
Träger, d.h. Tiere mit nur einem betroffenen Gen, können zwar selbst nicht erkranken, geben aber die Erbanlage mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% an ihre Nachkommen weiter. Bei der Verpaarung von zwei Trägern besteht die Gefahr, daß die Nachkommen von der Erkrankung betroffen sind. Deshalb sollte niemals ein Träger mit einem anderen Träger verpaart werden.



Gentest


Bei dem Gentest wird der Genabschnitt, der den Erbfehler trägt, mittels der sog. Polymerase-Kettenreaktion zunächst vervielfältigt. Anschließend wird über den sog. Genetic Analyzer automatisch die Gensequenz entschlüsselt und der die Narkolepsie verursachende Erbfehler direkt sichtbar gemacht. Dies ermöglicht eine sehr hohe Testsicherheit.
Für den DNA-Test wird ca. 0,5 ml EDTA-Blut benötigt. Alternativ ist auch die Einsendung eines sog. Backenabstriches möglich. Der Backenabstrich muß mit von uns kostenlos erhältlichen Spezialbürsten durchgeführt werden. Dabei muß jedoch beachtet werden, daß der Abstrich nicht zu zaghaft durchgeführt wird, da sonst nicht ausreichend Material für die Untersuchung zur Verfügung steht.
Das Ergebnis liegt etwa 1 Woche nach Erhalt der Probe vor.
Therapie

Allgemeine Maßnahmen

  • ausreichender Nachtschlaf
  • regelmäßiger Mittagsschlaf
  • regelmäßige Kurzchlafphasen
  • ausgibige ekörperliche Aktivität (regelmäßig)

 

Ernährung

  • Übergewicht und reichliche Mahlzeiten erhöhen die Einschlafneigung
  • bestimmte Nahrungsmittel können die Tagesschläfrigkeit verstärken (z.B. Milch und Milchprodukte)

 

Medikamentöse Behandlung

Die medikamentöse Behandlung einer Narkolepsie sollte grundsätzlich dem Facharzt vorbehalten bleiben.

Bezüglich der medikamentösen Behandlung gilt folgende Einschränkung:
Es gibt kein spezifisches Arzneimittel gegen die Narkolepsie. Derzeit lassen sich nur folgende Beeinträchtigungen getrennt behandeln (wobei eine
Kombination oft nicht zu vermeiden ist): 1. Tagesschläfrigkeit, 2. affektiver Tonusverlust, 3. gestörter Nachtschlaf.

 

Quellen: www.psychosoziale-gesundheit.net, www.hundezeitung.de, www.laboklin.de

 

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