Dobermanncardiomyopathie
Definition
Die dilatative Kardiomyopathie ist eine Erkrankung des Herzmuskels, bei der sich das Herz erweitert und schwach schlägt.

Sie ist durch eine herabgesetzte Kontraktilität des Herzens gekennzeichnet, es liegt also eine Pumpschwäche der Herzmuskulatur vor. Das hat zur Folge, dass zu wenig Blut in den Körperkreislauf gelangt und somit der Blutdruck sinkt. Dieser Blutdruckabfall aktiviert verschiedene neurohormonelle Kompensationsmechanismen, mit denen der Körper versucht, durch Flüssigkeitsresorption in der Niere das Blutvolumen zu erhöhen. Dadurch steigt zwar der Blutdruck, das Herz kann aber mit der Mehrbelastung bedingt durch das höhere Blutvolumen nicht fertig werden. Es kommt zur Dilatation, d.h. zu einem Auseinanderwachsen der Herzmuskulatur, was zu einer weiteren Schädigung des Herzmuskels führt. Häufig treten im Verlauf der Erkrankung auch Herzrhythmusstörungen auf, welche in einigen Fällen zum plötzlichen Herztod führen können
Dobermanncardiomyopathie
Der Dobi neigt zu einer verhältnismäßig aggressivem Form der Erkrankung. Sie ist primär gekennzeichnet durch das Auftreten von Herzrhythmusstörungen. Erkrankte Hunde sind dabei lange Zeit klinisch unauffällig, d.h., der Herzmuskel ist schon geschädigt, die Tiere zeigen aber noch keine Symptome einer Herzerkrankung. Diese Phase wird auch als okkulte DCM bezeichnet, sie zu erkennen erweist sich als überaus schwierig. Deshalb werden viele Patienten mit Herzrhythmusstörungen nicht früh genug diagnostiziert. Etwa ein Drittel der erkrankten Hunde stirbt am plötzlichen Herztod. Werden die Patienten im weiteren Verlauf wegen klinischer Symptome einem Tierarzt vorgestellt, überleben nur wenige einen Zeitraum von ca. 3 Monaten.

Die Prognose bei Dobermannkardiomyopahtien ist vorsichtig, viele Hunde überleben die ersten Monate nach Auftreten der klinischen Symptome nicht. Außerdem sterben einige Patienten am plötzlichen Herztod. Um die Prognose zu verbessern, ist eine frühzeitige Erkennung notwendig. Ziel sollte es also sein, betroffene Tiere noch vor Auftreten von Krankheitssymptomen mittels Holter-EKG zu diagnostizieren und dann zu behandeln
Ursachen

primäre dilatatve Kardiomyopathie
= Ursache ungeklärt

  • vermutlich
    genetisch erworbene Defekte im Stoffwechsel der
    Herzmuskelzellen
  • die primäre DCM
    ist meist auf einer autosomal dominanten Basis
    vererbbar (z.B. Dobermann)
  • autosomal
    rezessive Erbgänge wurden bei einigen Rassen
    ebenfalls beschrieben

sekundäre dilatative Kardiomyopathie
= systemische Erkrankung

  • Schilddrüsenunterfunktion
  • bestimmte
    Medikamente (z.B. manche Chemotherapeutika
  • Magendrehungen
  • Infektionskrankheiten
  • diätetische
    Mangelversorgung bzw. Resorptionsstörungen (zu
    wenig Taurin und/oder Carnitin)
gefährdete Rassen

Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Hunde großer Rassen. Laut diverser Statistiken stehen Dobis an erster Stelle von allen Hunderassen, was das Auftreten von DCM anbelangt. Außerdem sind fast 80% der erkrankten Hunde Rüden.
Kleine Hunde sind nie betroffen.

weitere häufig betroffene Rassen:

  • Boxer
  • Doggen
  • Wolfshunde
  • Bernhadiner
  • Neufundländer
  • Rottweiler
  • Schäferhunde
  • Leonberger
  • Afghanen
  • Riesenschnauzer
Symptome

physische Symptome

  • Husten (besonders nachts) und/oder Rasselgeräusche beim Atmen (können Hinweise auf Wasser in derLunge sein)
  • andauernder Durchfall oder weicher, breiiger Kot (weicher Kot kann eine Begleiterscheinung bei Herzerkrankungen im fortgeschrittenen Stadium sein)
  • Leistungsschwäche bzw. mangelnde Ausdauer, Belastbarkeit
  • Appetitlosigkeit
  • hohe Atemfrequenz bis hin zur Atemnot
  • Zyanose, bläuliche Schleimhäute
  • Synkope
  • Aszites
  • Lungenödem
  • PleuraERGÜSSE
  • beschleuigte Herzfrequenz, andere Herzrhythmusstörungen

psychische Symptome

  • Ängstlichkeit
  • andauernde allgemeine Schreckhaftigkeit
  • Angst/Beklemmung im engen Raum, Angst vor großer Weite (große Wiesen, Felder, große Plätze etc.)
  • Hunde mögen nicht mehr Schwimmen
  • Schwellenangst beim Wechsel von Untergründen (z.B. von Holzdielen auf weißen Marmor etc.)
  • nächtliche Ruhelosigkeit (häufige Schlafplatzwechsel)
  • deutlich nachlassende Spielfreude
Diagnose

Tierärztliche Untersuchung

Diese klinische Allgemeinuntersuchung umfasst das Abhören von Herz und Lunge mittels Stethoskop (Auskultaion). Bei einer Herzerkrankungen sind meistens Herzgeräusche oder Herzrhythmusstörungen zu hören. Außerdem wird der Puls ermittelt.


Herzultraschall

Dient der Beurteilung des Herzmuskels hinsichtlich der Form und der Kontraktilität mittels ein -und zweidimensionalen Ultraschall und der Vermessung der Herzwände und Herzklappen. Außerdem kann mit Hilfe des Dopplerverfahrens die Richtung und die Geschwindigkeit von Blutströmen bestimmt werden.
Typische Veränderungen bei DCM:

  • schlechte Kontraktionsfähgikeit des Herzens (der Herzmuskel sich weniger stark zusammenziehen kann)
  • dünnere Wände der linken Kammer im Verhältnis zu einem sehr großen Kammerdurchmesser
  • vergrößerter linker Vorhof

 

 Langzeit-EKG (Holter)

Das 24-Stunden-EKG ermöglicht die Kontrolle des Herzrhythmus über eine Zeitspanne von 24 Stunden und länger. Durch diesen langen Zeitraum werden Arrhythmien zu jedem Zeitpunkt nachweisbar und nicht nur auf einen kurzen Zeitraum begrenzt, wie es bei einem normalen EKG der Fall ist.


EKG

Im EKG werden
hauptsächlich Herzrhythmusstörungen diagnostiziert. Es ist bei der Diagnose von DCM besonders wichtig , da die
betroffenen Hunde häufig unter Arhytmien leiden und dies oft der einzige Hinweis auf diese Erkrankung ist. Die am häufigsten diagnostizierte Rhythmusstörung ist das Vorhofflimmern, sowie das Auftreten von ventrikulären Extrasystolen.

 

Röntgen

Im Röntgen können Vergrößerungen des Herzens sichtbar gemacht sowie durch das Herz bedingte Stauungserscheinungen wie Lungenödeme (Wasser in der Lunge) erkannt werden. Diese Symptome sind aber oft erst im Spätstadium der Erkrankung zu sehen. Zusätzlich erlauben Röntgenbilder die Begutachtung des Lungenfeldes, so dass auch Erkrankungen des Lungengewebes (z.B. als Differentialdiagnose für eine Herzerkrankung) diagnostiziert werden können.

 

Blutuntersuchung

In manchen Fällen ist eine Blutuntersuchung zur Abklärung der Ursache notwendig. Labordiagnostisch bestimmt werden können z.B. Schilddrüsenhormone oder Taurin Level. Labordiagnostisch bestimmt werden können z.B. Schilddrüsenhormone oder Taurin Level.

Therapie

Durch die Behandlung mit den verschiedenen Medikamenten sollen die Symptome der Krankheit sowie die Überlebenschancen verbessert werden und dem Hund so ein möglichst langes Leben mit einer hohen Lebensqualität zu ermöglich. Gesund wird der Hund allerdings nie.

Ziele der medikamentösen Therapie:

  • Verringerung der Herzarbeit
  • Verbesserung des Herzminutenvolumens
  • Verringerung des venösen Drucks
  • Kontrolle von Arrhythmien
  • Minimierung des Rückflusses durch undichte Klappen
  • Verbesserung der Sauerstoffversorgung des Körpers

Auswahl der Medikation ist abhängig von:

  • Schweregrad der Insuffiziens
  • zu Grunde liegender Ursache
  • andere gleichzeitig bestehende Krankheiten
  • dem Alter des Hundes

 

Diuretika

Entwässerungsmittel reduzieren die Vorlast des Herzens durch Verringerung der Körperflüssigkeitsmenge. Sie steigern die Harnproduktion in der Niere. Somit wird Natrium und Wasser vermehrt ausgeschieden und das Gesamtflüssigkeitsvolumen des Körpers verringert. Diuretika tragen dazu bei, die Symptome der Lungenstauung (Röcheln, Husten) sowie die Bildung weiterer Ödeme zu verringern.


Digitalispräparate (Herzglykoside, positiv ionotrope Medikament)

Diese Medikamente steigern die Fähigkeit des Herzmuskels zur Kontraktion, steigern das Herzminutenvolumen und senken die Herzfrequenz in der Ruhe. Digitalis-Präparate steigern die Lebensqualität erkrankter Hunde, können aber ihre Lebenserwartung verkürzen. Die Dosierung muss genauestens und unter sorgfätiger Beobachtung vorgenommen werden ( d.h. der Hund wird eingestellt), damit es nicht zu unerwünschten Nebenwirkungen kommt (Apathie, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall). Die therapeutische Breite, d.h. der Unterschied zwischen einer positiven (therapeutischen) und einer negativen (toxischen) Wirkung ist gering.

 

ACE-Hemmer

Sie Entlasten das Herz u.a. durch die Erweiterung von Blutgefäßen. Auch sie steigern das Herzminutenvolumen und verringern den Gefäßwiderstand. Ihre therapeutische Breite ist zwar hoch und es treten in der Regel wohl keine nennenswerten Nebenwirkungen auf, dennoch wird empfohlen, den Hundepatienten auch auf dieses Medikament genauestens einzustellen. Es ist angezeigt, sich in die Therapie einzuschleichen und eine langsame Dosis-Steigerung vorzunehmen. ACE-Hemmer steigern erwiesenermaßen die Lebenserwartung erkrankter Tiere, führen aber auch zu einer Verbesserung der Belastbarkeit und des Allgemeinbefindens und somit zu mehr Lebensqualität.

 

Vetmedin (Wirkstoff: Pimobendan)

Dieses relativ neue Medikament hat stark gefäßerweiternde Eigenschaften und ist insbesondere geeignet zur Behandlung einer Myokardinsuffizienz des Hundes als Folge einer dilatativen Kardiomyopathie oder Herzklappeninsuffizienz. Es scheint das derzeit effektivste Mittel zur Behandlung dieser Formen der Herzerkrankungen zu sein, weil es in seiner Wirkungsweise den herzstärkenden Effekt der Digitalis-Präparate mit mit den gefäßerweiternden Fähigkeiten der ACE-Hemmer verbindet und anscheinend nur wenige Nebenwirkungen hat.

Vetmedin sollte nicht angewendet werden in Fällen von hypertrophischer Kardiomyopathie oder Fällen, in denen eine Steigerung der Herzleistung nicht möglich ist (z.B. Aortenstenose, Pulmonalstenose)

Bei der Myokardinsuffizienz oder bei der dilatativen Kardiomyapthie (DCM) ist das Medikament der Wahl immer noch Digitalis und Vetmedin, gefolgt von ACE-Hemmern und Diuretika. Dabei können Digitalis-Präparate alleine nur im Anfangsstadium eingesetzt werden, wenn das Herz geschwächt ist und eine Kontraktionsunterstützung benötigt. Bereits bei Herzinsuffienzen 2. und 3. Grades sollten ACE-Hemmer zu Vor- und Nachlastsenkung hinzugefügt werden

Bei der Mitralinsuffizienz (Mehrheit der Herzerkrankungen) sind ACE-Hemmer das Medikament der Wahl, denn in den meisten Fällen ist die Kontraktionskraft des Herzens nicht eingeschränkt, sondern sogar gesteigert. Erst bei nachlassender Kontraktionskraft sollten Digitalis-Präparate zugefügt werden.

Vorsichtsmaßnahmen
  • möglichst jede Form von Aufregung und Stress vermeiden
  • Klimaumstellung und Umgebungswechsel behutsam vormehmen
  • mehrmals am Tag kurze Spaziergänge machen statt einer einzigen großen Runde
  • Futterumstellung nur, wenn unbedingt erforderlich, in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Tierarzt
  • Herzschonkost füttern (d.h. so kochsalzarm wie möglich - kein Dosenfutter)
  • vor Überbelastung an heißen Tagen schützen
  • regelmäßige Kontrollen beim Tierarzt/Kardiologen
Fakten

Hierbei handelt es sich um harte Wahrheiten, denen man als verantwortungsbewußter Dobibesitzer ins Auge sehen muss!

  • an DCM erkrankte Hunde werden nie wieder gesund und werden auch nie ihr rassetypisches Alter erreichen
  • man hat die ständige Angst den Hund zu verlieren
  • im fortgeschrittenen Stadium haben die Hunde keine Reserven mehr
  • DCM ist ein unheilbarer, stetig fortschreitender  Prozess, der durch Medikamente bestenfalls zu verlangsamt werden kann
  • ist für den betroffenen Hund immer tödlich
  • für diese Krankheit sind erbliche Dispositionen verantwortlich
  • die Krankheit wird im Laufe des Lebens erworben, d.h. wenn die Dispositionen für den Erwerb der DCM vorhanden sind, wird sie im Laufe seines Lebens ausgebildet, obwohl der Welpe mit einem gesunden Herzen zur Welt gekommen ist
  • die fortschreitende Herzmuskelschwäche (dilatative Cardiomyopathie - DCM) wird in Deutschland in den meisten Fällen erst im Alter von 3 bis 5 Jahren entwickelt
  • am häufigsten betroffen sind männliche Dobis
  • wenn Hunde klinische Symptome zeigen, ist die DCM nicht mehr im Anfangsstadium
  • auch wenn im Alter von ca. 18 Monaten bei der (Doppler-Sono-)Untersuchung vom Herzspezialisten
    keine Herzerkrankung festgestellt wird, bedeutet das nicht, dass der Hund Zeit seines Lebens von der Ausbildung einer DCM verschont bleiben wird. Es kann durchaus passieren, dass der Hund mit 18 Monaten die Untersuchung ohne Befund verlässt und im Alter von 4 Jahren eine DCM entwickelt hat
  • die durchschnittliche Lebenserwartung liegt laut dieser Statisik bei etwa sieben Jahren
Vermutungen
  • DCM ist eine familiär bedingte Erbkrankheit, der wahrscheinlich ein autosomal dominanter Erbgang zu Grunde liegt (wenn es tatsächlich der Fall ist, dass der DCM ein autosomal dominanter Erbgang zu Grunde liegt (und es deutet sehr viel darauf hin), dann bedeutet es, dass ein DCM - kranker Hund dies an 50% seiner Nachkommen vererbt
  • verschiedene Formen der DCM können auf Mangelerscheinungen zurückzuführen sein - durch Anreicherung der Nahrung mit dem Stoffen Taurin, L-Carnitin und Magnesium kann evtl. die Ausbildung einer DCM verhindert werden

Quellen: www.tierkardiologie.lmu.de, www.neufundlaender-buschhoff.de

 

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